Wie alles begann

  • 2009 Mein 1. Karpfen

     

    Gründungsmitglied und Obfrau “Heidi” Pletzenauer

 

Ich bin am 25.12.1959 in Linz geboren Mein erlernter Beruf war Bürokauffrau und von 1987 – 2008 arbeitete ich als Filialleiterin in der Lebensmittelbranche. Ich bin geschieden, habe einen Sohn und eine Tochter und 3 Enkelkinder. Ich wohne in Leopoldschlag nahe Freistadt OÖ. Seit 2000 bin ich IV-Pensionistin. Meine Hobby sind, die Natur, das Angeln und die Töpferei

 

Wie alles begann! Nachdem ich 2006, nach 30 Jahren Tirolaufenthalt, wieder nach Oberösterreich zurück kehrte, fand ich in der Ortschaft Leopoldschlag eine neue Heimat. 2008 wurde ich wegen der “Wirtschaftskrise” gekündigt. Halb so schlimm dachte ich mir, jetzt kann ich endlich einmal meine seit Jahren andauernden Rückenbeschwerden auskurieren. Leider wurden die Beschwerden aber immer stärker und ich bekam entweder Lähmungserscheinungen oder unvorstellbare Schmerzen im linken Bein. Damit ich ja niemanden Erzählen musste wie es Wirklich um mich stand verkroch ich mich in mein Schneckenhaus. Ich verlor die Freude am Leben und so dauerte es nicht lange da diagnostizierte man mir eine “Hochgradige Depression”. Der Gedanke an meine damals 2 jährige Enkeltochter gab mir die Kraft durchzuhalten und ich nahm professionelle Hilfe an. Man gab mir den Tip, ich solle mich bei der Pro Mente Tagesstruktur in Freistadt melden. Was ich Gott sei Dank auch tat. Dort lernte man mir meine Krankheit zu akzeptieren und dagegen anzukämpfen und ich lernte das Töpfern. Im Frühsommer 2009 überredete mich ein guter Bekannter, ich solle doch mit ihm zum fischen mitfahren. Widerwillig fuhr ich mit und der Gedanke fischen zu müssen begeisterte mich ganz und gar nicht. Da saß ich nun am Wasser, eine Rute in der Hand und ich lauscht den Anweisungen meines Bekannten. Keine 2 Stunden vergingen dann kam der Biss. Ich war einem Herzinfarkt nahe. Nachdem wir den ca. 2kg schweren Karpfen gelandet haben, verspürte ich ein Gefühl der Freude, eine Freude die ich zuerst nicht definieren konnte. Ich hatte so wie wohl viele Nichtangler auch einen total falschen Eindruck was das Fischen angeht. Von Wegen “Langweilig”! So kam es, dass ich nun jedes Wochenende zu dem kleinen Teich mitfuhr. Als ich dann unter der Woche Entzugserscheinungen bekam, da ich auf einmal merkte wie gut mir der Aufenthalt am Wasser tat, meldete ich mich zur Fischerprüfung an. Im August 2009 hatte ich den Schein in der Hand und noch am selben Tag begann meine neue Leidenschaft, das Angeln. Zwar begleiteten mich meine Schmerzen ans Wasser mit, doch meine Sorgen und Ängste blieben immer schön brav zu Hause. Endlich hatte ich wieder ein Hobby das ich ausüben konnte. So wie es die Schmerzen erlaubten so fischte ich. Entweder im Liegen oder im Sitzen oder im Stehen. Aber das Schönste daran war, mit meiner Psyche ging es steil nach Oben. Im August 2010 war es dann soweit. Ich musste operiert werden. In einer 7 stündigen Operation hat man mir die Wirbelsäule mit 8 Schrauben versteift. Die ersten Monate waren schlimm für mich aber ich weigerte mich Hilfe für den Alttag anzunehmen. Ich war und bin es bis heute noch, einfach DANKBAR das mir der Rollstuhl erspart geblieben ist. Ich kämpfte und lernte mir selber wie ich all jene Dinge die ich gerne machen möchte, auch machen konnte. Einfach irgendwie ein bisschen anders. Im Frühjahr 2011 kaum dass das Wasser frei vom Eis war, stand oder lag oder saß ich schon wieder mit einer Angel in der Hand an einem Teich. Eines Tages erzählte ich meinem langjährigen Freund Manfred das ich jetzt eine leidenschaftliche Fischerin bin. Ich lernte Manfred und seine Familie in Tirol kennen. Ich kannte ihn bestimmt schon 17 Jahre aber ich habe nie gewusst dass auch er ein leidenschaftlicher Angler war. Und so beschlossen wir gemeinsam angeln zu gehen. Nur, wir hatten eine große Hürde vor uns.

Manfred und Heidi Gemeinsam am Wasser, was gibt es schöneres!

Manfred hatte vor 13 Jahren eine Hirnblutung und ist seither halbseitig gelähmt. Ich zermahlte mir mein Hirn wie ich Manfred helfen konnte dass auch er wieder ein Angler wird. Ich leihte mir einen Rollstuhl aus, setzte mich (widerwillig) rein, steckte meine linke Hand in die Hosentasche, legte eine Rute vor mir auf den Boden und dachte nach. Dachte nach,  was ich jetzt alles  brauchen würde um im Rollstuhl und nur mit einer Hand, angeln zu können. Es vergingen Stunden, es vergingen Tage und es vergingen Wochen bis ich meine Angelhilfe für Manfred vor mir hatte. Es ist gut wen man geschickte Freunde hat, Freunde die man fragen kann ob sie einem helfen etwas zu bauen dass in meinen Kopf schon fix und fertig zusammen gebastelt ist und er es nur mehr nachbauen brauchte. (Grins, grins!!!) Die Geburt der Angelhilfe war nicht ganz leicht aber gemeinsam haben wir es geschaft.

 

Und mit dieAngelhilfe unter einem Rollstuhl aufgestellt mit Kescherhalterser Angelhilfe kann Manfred jetzt zu 90% selbständig fischen. Und jetzt stand für mich fest, ich gründe das Projekt “Angeln mit Handicap”. Es ist ein verdammt schönes Gefühl, Menschen mit Handicap das Angeln beizubringen, wenn man miterleben darf wie ein Blinder seinen ersten Karpfen fängt, wie ein junger Mann der durch einen Unfall einen Arm verloren hat so begeistert wird dass er schon einige Monate nachdem er mit mir zum fischen war, die Fischerprüfung ablegte. Wenn Menschen mit Depressionen für einige Stunden aus ihrem tiefen Loch herauskommen können, sich freuen und herzhaft lachen können. 3 Jahre lang habe ich dieses alleine  geleitet und im Oktober 2013 haben Manfred und ich beschlossen den Verein Angeln mit Handicap zu gründen. Es kommen immer mehr Anfragen von Menschen die das Angeln einfach einmal ausprobieren möchten aber nicht wissen wie das gehen soll. Manfred und ich geben jenen die es versuchen möchten Tips und Tricks damit es auch gelingt.

Nach 8 Monaten des “Wartens” haben wir am 7.3.2014 den Pachtvertrag von unseren 1. Teich in 3591 Altenburg bekommen.

Endlich haben wir den Vertrag

Endlich haben wir den Vertrag

Jetzt geht es daran das Ufergelände “Behindertengerecht” zu gestalten. Dazu suchen wir Sponsoren und Unterstützungsmietglieder.